Am 23 September 2003 richtete der Post SV das Europameisterschafts-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande aus.

Timo Boll beschrieb es so: Ich freue mich auf die Partie in Augsburg. Mit den Niederländern haben wir uns schon viele heiße Tänze geliefert.
Monatelange Vorarbeiten waren dem Spiel vorausgegangen, doch dann entwickelte sich das Spiel anders als geplant. Etwas mehr als 1500 Zuschauer erhofften sich ein Topspiel, denn mit Danny Heister und Trinko Keen hatten die Holländer zwei Weltranglisten – Top 20 Spieler im Kader. Am Wochenende vorher fanden die Japan Open statt, bei dem die beiden Topspieler erkrankten.

Es wurde nicht der erwartete „heiße Tanz“ gegen die Niederlande zum Auftakt der Europameisterschafts-Qualifikation für die deutsche Tischtennis-Nationalmannschaft der Herren. Das Team um den Weltranglisten-Ersten Timo Boll (Gönnern) schlug den Dauerrivalen vor 1500 Zuschauern in der Sporthalle Augsburg mit 3:0. Nach der Absage Trinko Keens (Jülich/Hoengen) wegen Fiebers, der Nummer 22 der Weltrangliste, fiel wenige Stunden vor dem Spiel Hollands Nummer zwei, Danny Heister (Weltranglisten-23.), mit einer starken Magen-Darm-Infektion aus. Die Niederländer konnten ihren Spitzenmann so kurzfristig nicht ersetzen und lediglich noch zwei Athleten aufbieten, die Nummern 335 und 453 der Welt, Barry Wijers und Michiel Franssen. „Das schlimmste, was einem Trainer passieren kann“, bedauerte Bundestrainer Istvan Korpa seinen Kollegen Pieke Franssen, „wir haben uns davon jedoch nicht beeinflussen lassen und unser Spiel konsequent durchgezogen. Das Ergebnis ist der Wunschauftakt für die EM-Qualifikation, die Art und Weise, wie es zustande kam, natürlich nicht.“

Franssen war im ersten Match gegen Boll in drei Sätzen ohne Chance, Wijers erspielte sich gegen Zoltan Fejer-Konnerth (Grenzau) im dritten Durchgang zwar einen Satzball, war beim 11:7, 11:4 und 13:11 jedoch von einem Sieg immer entfernt. Das dritte Spiel ging kampflos an Bastian Steger (Düsseldorf). „Wir sind zwar mit der Maßgabe angetreten, dieses Spiel zu gewinnen, und dieses Ziel haben wir erreicht“, sagte der Cheftrainer des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), Dirk Schimmelpfennig. „Aber das Fehlen eines Spielers der Niederländer war natürlich sehr bedauerlich, für den Sport und für die Zuschauer.“ Timo Boll ergänzte nach seinem 50. Länderspiel: „Wäre Holland heute mit Keen und Heister angetreten, wäre es viel schwerer für mich geworden. Nach der Rückkehr am Montagabend von den Japan Open habe ich den Jetlag am Ende des Matches deutlich gespürt.“

Showkampf und Boll-Interview als kleine „Entschädigung“

Das Publikum indes stärkte dem deutschen Team unbeeindruckt von den Personalproblemen der Gäste lautstark den Rücken und verließ die Halle am Ende sogar hoch zufrieden. Denn das deutsche Team machte aus der Personalnot der Niederländer eine Tugend und betrieb auf unkonventionelle Art Sympathiewerbung für sich und den Tischtennissport: Als „Entschädigung“ für das zu kurze und einseitige Match gegen die Holländer bot das deutsche Team den Fans im Anschluss einen begeisternden Showkampf zwischen DTTB-Top-12-Sieger Bastian Steger und dem Doppel-Europameister von 2002, Zoltan Fejer-Konnerth. Anschließend stellte sich noch der Weltrangliste-Erste Timo Boll den Fragen der Zuschauer, bevor der spontane „Tag der offenen Tür des DTTB“ mit einer Autogrammstunde der Nationalmannschaft und einem Fotoshooting mit den Fans zu Ende ging.

Die Ergebnisse im Überblick
Deutschland – Niederlande 3:0

Timo Boll – Michiel Franssen 3:0 (6,9,5)
Zoltan Fejer-Konnerth – Barry Wijers 3:0 (7,4,11)
Bastian Steger – Danny Heister 3:0 w.o.